Am 25. Oktober 2021 bricht in Hirschwang an der Rax einer der bislang verheerendsten Waldbrände Österreichs aus. Begünstigt durch Trockenheit und starken Wind hat er sich rasend schnell ausgebreitet und über 100 Hektar Wald schwer geschädigt. Das wiegt in dieser Region besonders schwer, denn der Wald erfüllt eine wichtige Funktion: Er schützt das Wiener Hochquellwasser, das durch dieses Gebirge fließt. Vier Jahre nach der Katastrophe blicken Rosa Schaberl und Stephanie Drlik auf den folgenschweren Waldbrand zurück, der neben massiven Schäden auch große Potenziale eröffnet hat.

Fast 9.000 Feuerwehrkräfte und Helfer*innen waren 13 Tage lang im Einsatz gegen das Feuer. Auslöser war ein von Besucher*innen nicht vollständig gelöschtes Lagerfeuer. Brandbeschleuniger der Katastrophe vor vier Jahren war einerseits die ungewöhnliche  Trockenheit in den vorhergehenden Frühjahrs- und Herbstmonaten sowie der starke Südwind. Letzterer hatte die Flammen in die steilen Waldflanken oberhalb von Hirschwang und weiter Richtung Höllental angeheizt. Der Wind zog Richtung Kaiserbrunn, dem Herzstück der 1. Wiener Hochquellenleitung. Die Topografie dort ist eng, felsig und ohne geeignete Rotationsflächen für den Löscheinsatz aus der Luft. Wäre der Brand ungehindert in dieses Gebiet vorgedrungen, so schätzen Einsatzkräfte rückblickend, wären weitere 5.000 Hektar Wald betroffen gewesen.

Ein Hubschrauber der Bundesheer-Flugstaffel, der Wasser aus einem Behälter über einen bewaldeten Hang abwirft, während im Hintergrund eine felsige Berglandschaft zu sehen ist.
Koordinierte Löschunterstützung aus der Luft hat wesentlich dazu beigetragen, den weitreichenden Waldbrand im Raxgebiet unter Kontrolle zu bringen.

Im Raum Reichenau hingegen gab es ausreichend Fläche für koordinierte Löschunterstützung aus der Luft. Bis zu 16 Hubschrauber und größere Löschhelikopter aus Österreich, Italien, Deutschland und der Slowakei kreisten gleichzeitig über dem Brand. Wasser wurde im Minutentakt aus der Schwarza entnommen und im steilen Gelände abgeworfen. Das Landesfeuerwehrkommando übernahm die Koordination und war gleichzeitig in enger Abstimmung mit dem Wiener Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA49) und der Abteilung Wiener Wasser (MA31). Schließlich ist die Stadt Wien als Grundeigentümerin für die Quellschutzwälder im Rax-Schneeberggebiet verantwortlich. Bernhard Mang, stellvertretender Leiter der zuständigen Forstverwaltung Quellenschutz der MA 49, erinnert sich an die dramatischen Stunden als einschneidende Katastrophe: „Ein brennender Wald auf einer derart großen Fläche, das war schon beängstigend.“ Gleichzeitig blieb nicht viel Zeit nachzudenken. Die Brandentwicklung überstieg die lokale Kapazität der Einsatzkräfte und so stellte auch die Forstverwaltung zusätzliche Forstarbeiter bereit. „Unsere Leute vom Forst arbeiteten Schulter an Schulter mit der Feuerwehr,“ so Mang, der so schnell wie möglich alle verfügbaren Kräfte zusammen trommelte.

Rauch und Brände auf einem bewaldeten Berg mit steilen Klippen im Hintergrund, unter einem klaren blauen Himmel.
Starker Wind und extreme Trockenheit haben das Feuer weiter angeheizt und zu einer raschen Ausbreitung geführt. Das teils extrem steile Gelände in der Gegend hat die Löscharbeiten zusätzlich erschwert.

Brandschneisen in doppelter Baumlänge, östlich und westlich des Brandkerns geschlagen wurden, konnten Funkenflug und ein verbreitetes Kronenfeuer reduzieren. Denn wenn Feuer in die Kronenschicht übergeht, springt es wie ein Funkenvorhang durch den ganzen Hang. Dann wird es fast unmöglich, den Brand im Wald zu stoppen. 13 Tage lang löschen Hilfskräfte und Freiwillige mit mehr als 5 Millionen Litern Wasser, bevor das erlösende „Brand aus“ gegeben werden konnte. Danach musste akribisch genau überwacht werden, denn es traten immer wieder vereinzelt Glutnester auf, die gelöscht werden mussten. Damit dauerte der Brand insgesamt einen ganzen Monat. Zurück blieben nicht nur verbrannte Bäume, sondern auch verbrannte Böden.

Abgebranntes Waldgebiet mit verkohlten Bäumen und einem trostlosen Boden nach einem Waldbrand.
Große Teile des betroffenen Waldes sind gezeichnet und werden Jahrzehnte benötigen, um sich wieder zu regenerieren. Hinzu kommt, dass geschwächte Wälder besonders gefährdet gegenüber Schädigungen sind, da das Waldökosystem und seine Widerstandskraft beeinträchtigt sind.

Die Quellschutzwälder und ihre Bedeutung für Wien

Unmittelbar nach dem Brand, während der Rauch noch über dem Raxmassiv stand, ging es bei den zuständigen Behörden bereits um die Auswirkungen der Naturkatastrophe auf das Wiener Wasser. Für Laien ist der Zusammenhang nicht sofort klar, doch die Wälder im Rax–Schneeberg-Gebiet sind kein gewöhnlicher Forst, sie sind Quellschutzwälder, die eigens von der Stadt Wien erworben wurden, um die Wasserversorgung Wiens zu sichern. Eine ihrer zentralen Aufgaben besteht darin, die Oberflächen rund um die durchführende Hochquellenleitung vor Verunreinigungen zu schützen, die seit mehr als 150 Jahren besteht und heute rund 20 Prozent des Wiener Trinkwassers befördert. Dass sie nahe dem damaligen Brandgebiet verläuft, hat der Feuerkatastrophe zusätzliche Brisanz verliehen.

Nahaufnahme von Pilzen, die auf Baumrinde wachsen, mit orangefarbenen, gefalteten und strukturierten Oberflächen.
Besonders dünnborkige Laubgehölze wurden schwer geschädigt und sind in den Folgejahren des Brandes, unter anderem durch Pilzbefall, vermehrt eingegangen.

Die Schutzfunktion eines Quellschutzwaldes ist ein komplexes Zusammenspiel aus Vegetation, Boden und Fels, das im Hintergrund als grüne Schutzhülle der Kaiserbrunnquelle im Höllental arbeitet. Marija Zunabovic-Pichler arbeitet bei der MA 31 – Wiener Wasser, die eng mit der Forstverwaltung Quellenschutz arbeitet. Die Verwaltungsmitarbeiterin beschreibt diese Waldbestände als „strukturreiche, mehrschichtige, natürlich gemischte, vitale und klimafitte Wälder“, die im Idealfall einem Dauerwald ähneln, mit vielen Altersstufen, unterschiedlichen Baumarten und möglichst ohne größeren kahlen Flächen. Der Wald bildet ein fein abgestimmtes System, das heutzutage vor allem eines leisten muss: Resilienz gegenüber jenen Störungen, die durch den Klimawandel häufiger werden. Trockenheit, Schädlingsbefall, Windwürfe und zunehmend eben auch Waldbrände, die sich in klimawandelgeschwächten Gebieten schnell ausbreiten. Nicht nur aus dieser Perspektive ist verständlich, warum im Quellschutzwald besonders strenge Grundsätze gelten. Kahlschläge sind tabu, Eingriffe erfolgen schonend und mit Blick auf die Naturverjüngung, selbst im Ernstfall müssen diese Prinzipien bestehen. „Wir haben uns bei den Behörden dafür stark gemacht, dass keine Netzmittel beim Löschen zum Einsatz kommen“, betont Zunabovic-Pichler. Dabei handelt es sich um chemische Zusatzstoffe, die Brände rascher unterdrücken. Sie hätten vielleicht einen schnelleren Löscherfolg ermöglicht, doch die Gefahr, chemische Rückstände in den Boden und damit auch in Quellbereiche einzutragen, wog vor dem Hintergrund der Versorgungsreichweite der Quelle schwerer.

Was ein Brand im Boden anrichtet

„Der Boden war stark beeinträchtigt, in einigen Bereichen war er sogar komplett verbrannt und die Bodenstruktur gänzlich zerstört. Beim Gehen ist Asche aufgestiegen, man ist wie auf einer Mondlandschaft gegangen“, erzählt Bernhard Mang von seinen Eindrücken nach der ersten Begehung nach dem Brand. Bodenspezialist Andreas Knoll, Geschäftsführer der Regioplan Ingenieure GmbH, ordnet die Brandkatastrophe hinsichtlich der Bodenschäden ein: „Im Raxgebiet liegt der humusreiche Oberboden nur dünn über dem Karbonatgestein. Genau diese fragile Schicht entscheidet aber darüber, ob Wasser versickert, gespeichert und gefiltert wird – oder ungehindert talwärts fließt“. Die Rendzinen, also jene dünnen Böden, die sich wie im Rax Gebiet auf kalk-, dolomit- oder gipsreichen Gesteinen bilden, haben zwar eine hohe Puffer- und Filterleistung, können jedoch nur begrenzt Wasser aufnehmen. „Wird ihre organische Substanz verbrannt, brechen chemische, physikalische und biologische Prozesse zusammen. Feinwurzeln, Pilzgeflechte und die mikrobielle Biomasse sterben ab, Humus und Stickstoff gehen verloren. In Folge zerfallen die Bodenaggregate und Poren verschwinden”, so Knoll. Hinzu kommt die Gefahr, dass sich in Zonen, in denen das Feuer besonders hohe Temperaturen verursacht hat, hydrophobe Schichten bilden können, die Wasser abweisen statt aufnehmen. Der Boden wird dichter, schwerer und anfälliger für Oberflächenabfluss – ein Zustand, der die Erosionsgefahr vervielfacht und die zentralen Funktionen des Quellschutzwaldes unmittelbar schwächt. „Wir hatten Glück, dass in den Wochen und Monaten nach dem Brand keine Starkregenereignisse aufgetreten sind. Diese hätte die dünne, brandgeschädigte Rendzina weggespült und der Boden wäre für lange Zeit verloren gewesen“, so Bernhard Mang von der MA49. Dass der Wald sich seit damals so gut entwickelt hat, ist also auch diesem glücklichen Zufall zu verdanken, aber nicht nur.

Lesen Sie vertiefend zum Thema Waldböden von Experten Andreas Knoll Deep Dive Waldbrand: Auch Böden verbrennen

Kahlgebrannter Wald mit verkohlten Baumstämmen und grünen Nadelbäumen im Hintergrund, der die Auswirkungen eines Waldbrandes zeigt.
Die natürliche Regenerierung wird von sanften Renaturierungsmaßnahmen der Forstverwaltung unterstützt. Langsam setzt sich wieder ein „grüneres“ Bild im Wald durch.

Erstmaßnahmen und Aufforstung

Im Quellschutzwaldes haben nach dem Waldbrand besonders die Erstmaßnahmen in den ersten Monaten über den weiteren Zustand entschieden. „Wir konnten ja nicht gleich mit den Baumpflanzungen zur Aufforstung anfangen, sondern mussten in einer ersten Phase verhindern, dass der Boden errodiert und dass er sich wieder regenerieren kann“, erzählt Mang rückblickend. Nach dem Brand in Hirschwang lag der Fokus der Wiederherstellungsmaßnahmen daher auf dem Boden. Denn in einem gelungenen Bodenaufbau liegt die Grundlage für eine erfolgreiche Aufforstung, da sind sich alle Expert*innen einig. „Das primäre waldbauliche Ziel muss in der Gewährleistung einer raschen Bodenbedeckung und in Folge in einer Wiederbewaldung der Brandfläche zu sehen sein“, so Landschaftsplaner Andreas Knoll. Dem Humusverlust kann durch einen Aufbau humusförderlicher Bestände begegnet werden.

Eine junge Pflanze mit einem großen, grünen Blatt wächst zwischen trockenem Laub und Nadeln im Wald. Der Boden ist unregelmäßig und zeigt Anzeichen von Waldschäden.
Auf Grund bisheriger Erfahrungen wird erwartet, dass einige Baum-Arten, insbesondere die dickborkige Schwarzkiefer, trotz Brandschäden zu einem hohen Anteil überleben werden. Als Rohbodenkeimer kann sich die Kiefer, ebenso wie zahlreiche Straucharten oder auch der abgebildete Ahorn, natürlich verjüngen.

Umgehend wurden Querschlägerungen von beschädigten Bäumen durchgeführt. Dabei werden gefällte Stämme quer zum Hang gelegt und verkeilt, sodass sie Asche, Feinmaterial und lockeren Boden zurückgehalten werden. Zwischen diesen Barrieren entstanden erste kleine Humusinseln, auf denen sich schon bald Vegetationsgesellschaften etablieren konnten. Gleichzeitig begann die Natur mit ihrer eigenen Soforthilfe. Viele der überlebenden Schwarzkiefern warfen in der Stressphase nach dem Brand massenhaft Nadeln ab, um Masse zu reduzieren. Eine schlaue Art des Selbstschutzes, die auch dem Bodenaufbau zugute kommt. Die feine, helle Nadelstreuschicht legte sich schützend über die Bodenoberfläche, reduzierte die Erosionsgefahr, nahm Feuchtigkeit auf und trug durch das Zersetzen der Nadeln zur Humusbildung bei. Zur vorsichtigen Unterstützung solcher natürlicher Prozesse brachten Forstarbeiter*innen in den Wochen und Monaten nach dem Brand rund 500 Kilogramm Saatgut, eine regional passende Gräser-Kräuter-Mischung, im Gelände aus, um die ungeschützte Bodenfläche möglichst rasch wieder zu bedecken. Das steile Terrain erschwerte die Ausführung mit Maschinen und so kamen auch Noriker-Pferde zum Einsatz, die das Saatgut zu den Hängen transportierten, wo es händisch ausgebracht wurde. 

Verbrannte Baumstämme in einem Waldgebiet, umgeben von grünen Pflanzen und Aschenreste, Zeugnis eines vergangenen Waldbrandes.
Die Entwicklung eines stabilen Waldökosystems benötigt viel Zeit. Doch bereits nach vier Jahren ist eine Regeneration erkennbar. Zwischen brandgeschädigten Bäumen wächst neues Grün.

Brandbeschleuniger für Weiterentwicklung

Der Brand wirkte wie ein Beschleuniger für jene Entwicklung, die ohnehin schon seit Jahren von der Forstverwaltung angestrebt wird: weg von Monokulturen, hin zu Mischwaldkulturen mit hohen Laubholzanteilen. Doch, bedenkt man die Entwicklungs- und Lebenszyklen eines Baumes, ist klar: schnell geht in der Forstwirtschaft gar nichts. Und nun hat der Brand auch noch die Laubholzbestände im Quellschutzwald stark dezimiert. Zwar trieben viele der verbliebenen Laubbäume nach dem ersten Jahr wieder aus, doch sind langfristig dennoch abgestorben. Denn dünnborkige Laubholzarten setzt die Brandhitze stärker zu als etwa den wesentlich resilienteren Schwarzkiefern. Und so wurden nach dem Brandereignis in einem ersten Schritt auf rund 100 Hektar insgesamt 10.000 junge Baumpflänzchen gesetzt, darunter auch zahlreiche Laubbaumarten wie Walnuss, Buche und Eiche sowie verschiedene Straucharten, allesamt robust gegenüber Trockenheit und weniger anfällig für Verbiss. Auf Grund einer wachsenden Wildpopulation in der Gegend, wurde im Brandgebiet vorübergehend eine Schwerpunktbejagung erlaubt, um dem Wilddruck entgegenzuwirken und dem so dringend notwendigen Überleben der Jungpflanzen eine Chance zu geben. Noch ist der Quellschutzwald merklich geschwächt und viele Bereiche warten auf Wiederaufforstung. Doch genau darin liegt derzeit das Potenzial für die Entwicklung eines Waldes, der künftig besser mit Trockenheit, Störungen und klimatischen Extremen umgehen kann.

Ein Waldgebiet mit verfallenen, verbrannten Baumstümpfen und üppiger Vegetation nach einem Waldbrand, mit wild blühenden Pflanzen im Vordergrund.
Durch gezielte Maßnahmen, wie dem Fällen und Verbleiben stark geschädigter oder abgestorbener Bäume, der Aussaat von Grassamenmischungen sowie der Pflanzung geeigneter Bäume und Sträucher, konnten betroffene Bereiche stabilisiert und Bodenverluste verhindert werden.

Schutz des Quellschutzes

Trotz der Reichweite des Feuers waren die Quellfassungen selbst zu keiner Zeit direkt bedroht. Die Bauwerke liegen geschützt im Untergrund, weit entfernt von der oberflächlichen Branddynamik. Dennoch ließ die Verwaltungsabteilung “Wiener Wasser” erhöhte Vorsicht walten. Zusätzlich zu den Standardmessungen wurden Wasserproben an mehreren Stellen gezogen, ausgewertet und mit früheren Vergleichswerten abgeglichen. Das Ergebnis fiel zufriedenstellend aus: keine Parameterabweichungen, keine Hinweise auf brandbedingte Einträge, stabil bleibende Qualität trotz der Ereignisse im Einzugsgebiet. Marija Zunabovic-Pichler erläutert, dass sich die Rahmenbedingungen der Wasserversorgung in den vergangenen Jahren deutlich verschoben haben, auch als Folge der neuen Rahmenbedingungen für den Wald. Durchschnittstemperaturen steigen, Trockenphasen werden häufiger, Niederschlagsmuster verändern sich. Damit wächst auch das Risiko von Bränden und mit ihm die Aufgabe, jene Wälder zu schützen, die die Quellen für das Wiener Wasser begleiten. Der Schutz beginnt daher längst nicht mehr am Quellbauwerk, sondern im gesamten Einzugsgebiet und dessen Ökosystemleistungen: Böden, die Wasser aufnehmen, Vegetation, die Hänge stabilisiert, und Tiere, die das System im Gleichgewicht halten.

Blick auf einen Wald mit verbrannten Bäumen, umgeben von hohem, trockenem Gras und vereinzelt grünen Sträuchern, nach einem Waldbrand.
Ziel ist es, dass der Wald in Hirschwang sich langfristig aus eigener Kraft erholt und eine natürliche potentielle Waldgesellschaft entsteht. Die Forstverwaltung unterstützt lediglich durch sanft gesetzte Maßnahmen, wie dem Ausbringen von Saatgutmischungen.

Da rund drei Viertel aller Waldbrände menschengemacht sind, ausgelöst durch kleine Lagerfeuer, glimmende Zigaretten oder Funkenflug, muss auch die Bewusstseinsbildung stärker in den Vordergrund rücken. Die Schutzgebiete rund um Rax und Schneeberg werden mit steigenden Bevölkerungszahlen der nahegelegenen Bundeshauptstadt Wien und dem wachsenden Naherholungsbedarf immer intensiver frequentiert. Mit dem Erholungsdruck wächst nicht nur die Müllbelastung, sondern auch das Risiko, dass durch Unachtsamkeit Brände entstehen. 

Die enge Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und den Verwaltungsabteilungen MA 49 und MA 31 während des Einsatzes, mündete in gemeinsamen Geländebegehungen, Arbeitskreisen und Fachgruppenarbeiten. Themen wie Brandprävention, Alarmierungswege, der Umgang mit Netzmitteln, Monitoring und Bewusstseinsbildung wurden neu bewertet und weiterentwickelt. Auch Erfahrungswerte aus Regionen, in denen Waldbrände häufiger auftreten, fanden Eingang in die Überlegungen. Gleichzeitig investiert die Stadt Wien langfristig in die Sicherung ihrer Quellgebiete durch Flächenankauf, Nutzungseinschränkungen, eine schonende Bewirtschaftung, Bewusstseinsbildung und durch Wassertests, die selbst kleinste Veränderungen sofort erkennbar macht.

Verbrannte Baumstämme in einem Wald, die die Auswirkungen eines Waldbrands zeigen. Im Hintergrund sind weitere Bäume sichtbar, während der Boden mit Gras und kleinen Pflanzen bedeckt ist.
Die Brandkatastrophe von 2021 birgt die Chance, den Wald hinsichtlich seiner Widerstandskraft im Klimawandel zu stärken. Etwa durch eine Verringerung des Nadelholzanteils und der Förderung von Laugehölzen. Das erhöht die Diversität und damit die Resilienz des Waldes.

Der Waldbrand von Hirschwang hat sichtbare Landschaftsnarben hinterlassen. Doch er hat auch gezeigt, wie belastbar die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden ist und wie rasch sich Strategien, sogar im trägen System Wald, an die veränderten Bedingungen anpassen lassen. Die Fläche beginnt zu heilen, langsam, Schicht für Schicht. Und mit ihr wächst ein Waldökosystem, das anders sein wird als zuvor: vielfältiger, widerstandsfähiger und getragen von einem tieferen Verständnis dafür, wie eng Wald- und Wasserschutz im Quellschutzwald miteinander verbunden sind.


Foto Credits

Alle Fotos von Johannes Hloch
Johannes Hloch, Visual Storytelling


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